Wieder mal führt mich ein Künstlertreff an einen abgelegenen Ort, der dafür aber umso grüner ist: das Museum Insel Hombroich in Neuss. Ein Ort, an dem sich Kunst und Natur miteinander verbinden.
📍Dieser Artikel ist Teil meiner Reihe zur Düsseldorfer Art:card. Eine Übersicht aller Museumsbesuche findest du hier.

Es liegt schon eine längere Reise hinter mir, als ich endlich im Bus in Richtung Insel Hombroich sitze. Der Bus fährt auffällig schnell. In der Reihe neben mir sitzt eine ältere Dame und telefoniert: „Ich fahr jetzt auf die Insel“, erzählt sie gut gelaunt, und bringt mich zum Lächeln.
Wir steigen aus, und ich weiß ja, dass ich nur der alten Dame folgen muss, um mein Ziel zu erreichen. Also lasse ich mich von ihr in das wohl schönste Frühlingsgrün des Jahres führen. Der Wind rauscht in den Bäumen, und die süßen Düfte der Pflanzen vermischen sich zu einem betörenden Cocktail.
Vor dem braunen Hinweisschild bleibe ich kurz stehen. Plötzlich höre ich ein lautes Rascheln im Gebüsch, Äste brechen durch, und noch während ich mich frage, ob das vielleicht ein Hund sein könnte, rast schon in irrem Tempo ein Reh an mir vorbei – so schnell und hektisch, dass ich es mir genauso gut eingebildet haben könnte.

Hinter dem Kassenhäuschen, in dem ich mit der Art:card einen neuen Museumsbesuch sammle, erwartet mich ein schattiger, von Bäumen umrandeter Kiesweg. Erst nach einer Weile lichtet sich der kleine Wald. Er verwandelt sich in eine kleine Aussichtsplattform, auf der ich einen ersten Blick über den Park erhasche.
Mit einem Mal ist mein Kopf leer, denn die Landschaft spricht für sich: Hier erstreckt sich ein Naturparadies aus abwechslungsreicher Flora, kleinen Tümpeln und lauter wilden Tieren, die hier zuhause sind.

Die Insel Hombroich verzichtet grundsätzlich auf erklärende Hinweisschilder an den Pavillons und Kunstwerken. Das führt dazu, dass sich die Besucher ganz intuitiv auf die Kunstwerke einlassen können – genau das Richtige für mich, um einfach nur meinen Sinnen zu folgen. Ich habe sogar vergessen, mir die kleine Karte mitzunehmen, mit der viele andere Besucher sich im Park orientieren.
Also streife ich durch die architektonischen Besonderheiten der Pavillons und lasse ihren Minimalismus auf mich wirken. Ich entdecke Kunstwerke aus allen Zeiten und Ländern, und verlaufe mich in einem der Ausstellungshäuser. (Im Nachhinein stellte sich heraus, dass das beabsichtigt war, denn das Haus heißt Labyrinth). Ich sauge den Duft einer Holzscheune auf, der mich an einen Familienurlaub in einem ungarischen Dorf erinnert. Dann betrachte ich nachdenklich das ehemalige Atelier des Künstlers Anatol, der noch bis vor einigen Jahren auf der Insel gearbeitet hat. Und immer wieder begegne ich den verschiedensten Tieren: Hummeln, Reihern, Bisamratten, Wildgänsen, Mäusen, Singvögeln, und, und, und…
An einem Kreis aus großen Steinen lege ich eine kleine Pause ein. Wenig später werden zwei Mädchen auf diesen Ort aufmerksam, ihre Eltern im Schlepptau. Eine der beiden klettert sofort auf einen der Steine, dann hüpft sie vom einen zum anderen, und schiebt sich bei besonders großen Exemplaren auch mal mühevoll über die Erhebungen. Ihre leicht zerbeulte Jeans streift dabei immer wieder den rauen Untergrund. „Mama!“, ruft sie laut. „Das macht voll Booock!“
Die jüngere Schwester tut es ihr gleich. Langsam klettert sie mit ihren kürzeren Beinen von einem Stein zum anderen, ihrer Schwester dicht auf der Spur. „Ich hab dir doch gesagt, dass der spitze Stein schwierig ist!“
Natürlich wollen sie dann beide ein schickes „Alleinefoto“ auf einem besonders coolen Stein haben – erst danach gibt’s auch eins zu zweit. Die Mutter will eigentlich woanders hin, und irgendwann zieht sie mit ihrem Mann einfach weiter. Auch die jüngere Schwester macht sich los.
Bleibt nur noch das braunhaarige Mädchen, das sich die Festung zuerst erobert hatte. Ihre Mission: Einmal auf allen Steinen hin und wieder zurück klettern. Und das setzt sie ohne Umschweife um. Als sie vorne bei mir angekommen ist, zeige ich ihr eine kleine, braune Maus, die gerade blitzschnell zwischen den Steinen in Richtung Gebüsch flitzt. Neugierig folgt das Mädchen meinem Blick. Dann rennt sie zu ihren Eltern und ruft: „Mama, Mama, ich habe eine Maus gesehen!“ Dabei bin ich mir gar nicht sicher, ob sie sie wirklich gesehen hat.
Ich schaue an mir herunter: Auch ich trage eine Jeans. Mein Blick wandert zu den Steinen. Sieht wirklich spaßig aus. Dann lege meinen Rucksack ab und tue es dem Mädchen gleich. Voller Energie bewege ich mich von Stein zu Stein, vielleicht nicht ganz so elegant wie sie. Es ist herausfordernder, als ich dachte, denn obwohl ich viel größer bin als meine Vorgängerin, muss auch ich immer wieder umständlich klettern statt hüpfen. Aber es stimmt: Das macht richtig Bock!

Das Museum Insel Hombroich ist definitiv ein Ort zum Kraft tanken. Ich habe nicht nur Frühlingsluft eingeatmet, Tiere beobachtet und dabei Kunstwerke betrachtet – sondern auch rücklings auf der Wiese gelegen, einen kostenlosen Tee in der Cafeteria getrunken und meine verspielte Seite wiederentdeckt. Eigentlich schade, dass das Museum so weit weg ist – denn nach all den schönen Eindrücken erwartet mich nun ein langer Heimweg.
Und während ich am Rande der Insel vor einer verlassen wirkenden Bushaltestelle stehe – mit kleinem Sonnenstich und irgendwie erschöpft – spüre ich, warum meine Künstlertreffs in den letzten Monaten zu kurz gekommen sind. Es ist dann doch anstrengend, lange Ausflüge in die Ferne zu machen, stundenlang in der Bahn zu sitzen, nach Hause zu kommen und meine Eindrücke auch noch aufzuschreiben. Und das alles zwischen Arbeitsalltag und Schreibprojekten.
Trotzdem bin ich froh, dass ich heute hier war. Denn dieser unbändige Wille bleibt: ich will trotzdem all die Museen in Düsseldorf und Neuss besuchen, ich will trotzdem die Route der Industriekultur erkunden, ich will trotzdem diese etwas verzauberten, langen Ausflüge machen, statt meine die üblichen Runden zu drehen.
Vielleicht nur etwas seltener. Mit weniger Ansprüchen und mehr Geduld. Denn das Leben wird ganz von selbst, wenn man es lässt.


Wieder mal führt mich ein Künstlertreff an einen abgelegenen Ort, der dafür aber umso grüner ist: das Museum Insel Hombroich in Neuss. Ein Ort, an dem sich Kunst und Natur miteinander verbinden.
📍Dieser Artikel ist Teil meiner Reihe zur Düsseldorfer Art:card. Eine Übersicht aller Museumsbesuche findest du hier.

Es liegt schon eine längere Reise hinter mir, als ich endlich im Bus in Richtung Insel Hombroich sitze. Der Bus fährt auffällig schnell. In der Reihe neben mir sitzt eine ältere Dame und telefoniert: „Ich fahr jetzt auf die Insel“, erzählt sie gut gelaunt, und bringt mich zum Lächeln.
Wir steigen aus, und ich weiß ja, dass ich nur der alten Dame folgen muss, um mein Ziel zu erreichen. Also lasse ich mich von ihr in das wohl schönste Frühlingsgrün des Jahres führen. Der Wind rauscht in den Bäumen, und die süßen Düfte der Pflanzen vermischen sich zu einem betörenden Cocktail.
Vor dem braunen Hinweisschild bleibe ich kurz stehen. Plötzlich höre ich ein lautes Rascheln im Gebüsch, Äste brechen durch, und noch während ich mich frage, ob das vielleicht ein Hund sein könnte, rast schon in irrem Tempo ein Reh an mir vorbei – so schnell und hektisch, dass ich es mir genauso gut eingebildet haben könnte.
Hinter dem Kassenhäuschen, in dem ich mit der Art:card einen neuen Museumsbesuch sammle, erwartet mich ein schattiger, von Bäumen umrandeter Kiesweg. Erst nach einer Weile lichtet sich der kleine Wald. Er verwandelt sich in eine kleine Aussichtsplattform, auf der ich einen ersten Blick über den Park erhasche.
Mit einem Mal ist mein Kopf leer, denn die Landschaft spricht für sich: Hier erstreckt sich ein Naturparadies aus abwechslungsreicher Flora, kleinen Tümpeln und lauter wilden Tieren, die hier zuhause sind.

Die Insel Hombroich verzichtet grundsätzlich auf erklärende Hinweisschilder an den Pavillons und Kunstwerken. Das führt dazu, dass sich die Besucher ganz intuitiv auf die Kunstwerke einlassen können – genau das Richtige für mich, um einfach nur meinen Sinnen zu folgen. Ich habe sogar vergessen, mir die kleine Karte mitzunehmen, mit der viele andere Besucher sich im Park orientieren.
Also streife ich durch die architektonischen Besonderheiten der Pavillons und lasse ihren Minimalismus auf mich wirken. Ich entdecke Kunstwerke aus allen Zeiten und Ländern, und verlaufe mich in einem der Ausstellungshäuser. (Im Nachhinein stellte sich heraus, dass das beabsichtigt war, denn das Haus heißt Labyrinth). Ich sauge den Duft einer Holzscheune auf, der mich an einen Familienurlaub in einem ungarischen Dorf erinnert. Dann betrachte ich nachdenklich das ehemalige Atelier des Künstlers Anatol, der noch bis vor einigen Jahren auf der Insel gearbeitet hat. Und immer wieder begegne ich den verschiedensten Tieren: Hummeln, Reihern, Bisamratten, Wildgänsen, Mäusen, Singvögeln, und, und, und…


An einem Kreis aus großen Steinen lege ich eine kleine Pause ein. Wenig später werden zwei Mädchen auf diesen Ort aufmerksam, ihre Eltern im Schlepptau. Eine der beiden klettert sofort auf einen der Steine, dann hüpft sie vom einen zum anderen, und schiebt sich bei besonders großen Exemplaren auch mal mühevoll über die Erhebungen. Ihre leicht zerbeulte Jeans streift dabei immer wieder den rauen Untergrund. „Mama!“, ruft sie laut. „Das macht voll Booock!“
Die jüngere Schwester tut es ihr gleich. Langsam klettert sie mit ihren kürzeren Beinen von einem Stein zum anderen, ihrer Schwester dicht auf der Spur. „Ich hab dir doch gesagt, dass der spitze Stein schwierig ist!“
Natürlich wollen sie dann beide ein schickes „Alleinefoto“ auf einem besonders coolen Stein haben – erst danach gibt’s auch eins zu zweit. Die Mutter will eigentlich woanders hin, und irgendwann zieht sie mit ihrem Mann einfach weiter. Auch die jüngere Schwester macht sich los.
Bleibt nur noch das braunhaarige Mädchen, das sich die Festung zuerst erobert hatte. Ihre Mission: Einmal auf allen Steinen hin und wieder zurück klettern. Und das setzt sie ohne Umschweife um. Als sie vorne bei mir angekommen ist, zeige ich ihr eine kleine, braune Maus, die gerade blitzschnell zwischen den Steinen in Richtung Gebüsch flitzt. Neugierig folgt das Mädchen meinem Blick. Dann rennt sie zu ihren Eltern und ruft: „Mama, Mama, ich habe eine Maus gesehen!“ Dabei bin ich mir gar nicht sicher, ob sie sie wirklich gesehen hat.
Ich schaue an mir herunter: Auch ich trage eine Jeans. Mein Blick wandert zu den Steinen. Sieht wirklich spaßig aus. Dann lege meinen Rucksack ab und tue es dem Mädchen gleich. Voller Energie bewege ich mich von Stein zu Stein, vielleicht nicht ganz so elegant wie sie. Es ist herausfordernder, als ich dachte, denn obwohl ich viel größer bin als meine Vorgängerin, muss auch ich immer wieder umständlich klettern statt hüpfen. Aber es stimmt: Das macht richtig Bock!

Das Museum Insel Hombroich ist definitiv ein Ort zum Kraft tanken. Ich habe nicht nur Frühlingsluft eingeatmet, Tiere beobachtet und dabei Kunstwerke betrachtet – sondern auch rücklings auf der Wiese gelegen, einen kostenlosen Tee in der Cafeteria getrunken und meine verspielte Seite wiederentdeckt. Eigentlich schade, dass das Museum so weit weg ist – denn nach all den schönen Eindrücken erwartet mich nun ein langer Heimweg.
Und während ich am Rande der Insel vor einer verlassen wirkenden Bushaltestelle stehe – mit kleinem Sonnenstich und irgendwie erschöpft – spüre ich, warum meine Künstlertreffs in den letzten Monaten zu kurz gekommen sind. Es ist dann doch anstrengend, lange Ausflüge in die Ferne zu machen, stundenlang in der Bahn zu sitzen, nach Hause zu kommen und meine Eindrücke auch noch aufzuschreiben. Und das alles zwischen Arbeitsalltag und Schreibprojekten.
Trotzdem bin ich froh, dass ich heute hier war. Denn dieser unbändige Wille bleibt: ich will trotzdem all die Museen in Düsseldorf und Neuss besuchen, ich will trotzdem die Route der Industriekultur erkunden, ich will trotzdem diese etwas verzauberten, langen Ausflüge machen, statt meine die üblichen Runden zu drehen.
Vielleicht nur etwas seltener. Mit weniger Ansprüchen und mehr Geduld. Denn das Leben wird ganz von selbst, wenn man es lässt.

