Lebenskrisen überwinden

Manchmal muss man grüner Glibberschleim sein

  • 2 Min. Lesezeit
  • 7. Februar 2023
  • Sonja

Wie fühlt man sich, wenn man wegen einer Lebenskrise alles anhält und nach einer neuen Form sucht? Wie grüner Glibberschleim. Ein Perspektivwechsel. 

Ich habe alles losgelassen, was mich in eine feste Form gepresst hat. Alles, was mit den Anderen zu tun hat, mit Anerkennung von außen, mit Selbstsabotage. Jetzt bin ich nur noch ein grüner, glibbriger Spielschleim, vielleicht so einer, der Furzgeräusche macht, und ich liege auf dem Küchenboden. Der Küchenboden ist aus weißen, kalten Fliesen gemacht, die recht verdreckt sind und schon so einige Macken aufweisen. Von hier unten sieht die Welt ganz anders aus.

Jetzt liege ich also nur hier und schaue. Ich kann mir schließlich nicht mehr aus dem Weg gehen – um ehrlich zu sein, kann ich eigentlich überhaupt nicht mehr gehen. Ich bin ja viel zu weich, so als Schleim, so weich, dass ich mir nicht einmal selbst eine Form geben kann, obwohl das ja der Plan gewesen ist. Also warte ich erstmal und schaue, was passiert.

Was passiert, ist, dass das Leben ohne mich weiter geht.

In den letzten Tagen habe ich sehr viele mehr und weniger dämliche Filme geschaut, von hier unten aus. Irgendwie hat in den Filmen immer derselbe Schauspieler mitgespielt; manchmal mache ich das so, manchmal wähle ich meine netflixianische Selbstablenkung nach den Schauspielern aus und sehe mir all ihre Filme an. In einem davon ging es um Play-Doh, das ist ja fast das gleiche wie Glibberschleim, nur mit mehr Festigkeit, also das, wo ich hinwill: Formbarkeit.

Naja, der Grundkonsens des Filmes war, dass man das Leben wieder selbst formen kann, auch dann, wenn man denkt, dass es aus der Form geraten ist. In dem anderen Film spielte Knete dann zwar keine Rolle mehr, aber auch hier gab es einen Grundkonsens, nämlich, dass man im Leben nicht einfach warten kann, bis jemand eine Entscheidung für einen trifft, sondern dass man halt selbst entscheiden muss, dass bestimmte Dinge passieren sollen. Man muss sozusagen Gott spielen für das eigene Leben. Und das passt ja auch gewissermaßen in meine Art von Spiritualität, bei der uns allen ein bisschen Göttlichkeit innewohnt.

Mir ist ja bewusst, dass ich jetzt nicht einfach mein Leben anhalten und für immer ein grüner Glibberschleim bleiben kann. Aber vielleicht muss ich erst warten, bis ich durch die Luft ein bisschen antrockne, damit ich wieder formbar bin. Vielleicht schaue ich allen anderen jetzt ein bisschen beim Leben zu und halte mein glibbriges Herz einfach nur am Leben. Und dann kann ich am Ende die vorerst beste Form für mich finden. Denn ich glaube, letztendlich ist mir vor allem wichtig, formbar zu bleiben. Ich möchte mich nicht mehr in eine feste Form hineinpressen oder hineinpressen lassen, nur weil es bequemer ist, unglücklich zu sein oder auf die anderen zu hören.

Wenn ich erstmal Play-Doh bin, dann kann ich mir Füße formen, mit denen ich über den Küchenboden laufe. Dann laufe ich an all den Macken vorbei und lasse mich nicht von ihnen hinunterziehen. Dann gehe ich in die Welt hinaus und werde eine Blume oder ein Straßenschild oder eine Elfe. Ich will mir endlich darüber bewusst sein, dass es egal ist, was ich werde. Das Wichtigste ist, dass ich es werde.

Zutaten für hausgemachten Glibberschleim:

  • Speisestärke
  • Lebensmittelfarbe, vorzugsweise grün
  • Wasser
  • Nach Belieben: Rasierschaum, Shampoo, Bastelkleber, Glitzerstaub…

Basisrezept:

Speisestärke mit etwas Wasser benetzen und umrühren. Nach Belieben mit Lebensmittelfarbe einfärben. Bei dem Gemisch einfach mit den verschiedenen Möglichkeiten spielen, die die Konsistenz des Schleims bietet. 

Nach Lust und Laune können z. B. Rasierschaum oder Haarshampoo hinzugefügt werden, um den Schleim zu verändern. Flüssigkleber und Glitzer sind auch erlaubt 😉 Viel Spaß beim Schsleimen!

Lebenskrisen überwinden

Manchmal muss man grüner Glibberschleim sein

  • 7. Februar 2023 – 2 Min. Lesezeit

Wie fühlt man sich, wenn man wegen einer Lebenskrise alles anhält und nach einer neuen Form sucht? Wie grüner Glibberschleim. Ein Perspektivwechsel. 

Ich habe alles losgelassen, was mich in eine feste Form gepresst hat. Alles, was mit den Anderen zu tun hat, mit Anerkennung von außen, mit Selbstsabotage. Jetzt bin ich nur noch ein grüner, glibbriger Spielschleim, vielleicht so einer, der Furzgeräusche macht, und ich liege auf dem Küchenboden. Der Küchenboden ist aus weißen, kalten Fliesen gemacht, die recht verdreckt sind und schon so einige Macken aufweisen. Von hier unten sieht die Welt ganz anders aus.

Jetzt liege ich also nur hier und schaue. Ich kann mir schließlich nicht mehr aus dem Weg gehen – um ehrlich zu sein, kann ich eigentlich überhaupt nicht mehr gehen. Ich bin ja viel zu weich, so als Schleim, so weich, dass ich mir nicht einmal selbst eine Form geben kann, obwohl das ja der Plan gewesen ist. Also warte ich erstmal und schaue, was passiert.

Was passiert, ist, dass das Leben ohne mich weiter geht.

In den letzten Tagen habe ich sehr viele mehr und weniger dämliche Filme geschaut, von hier unten aus. Irgendwie hat in den Filmen immer derselbe Schauspieler mitgespielt; manchmal mache ich das so, manchmal wähle ich meine netflixianische Selbstablenkung nach den Schauspielern aus und sehe mir all ihre Filme an. In einem davon ging es um Play-Doh, das ist ja fast das gleiche wie Glibberschleim, nur mit mehr Festigkeit, also das, wo ich hinwill: Formbarkeit. Naja, der Grundkonsens des Filmes war, dass man das Leben wieder selbst formen kann, auch dann, wenn man denkt, dass es aus der Form geraten ist. In dem anderen Film spielte Knete dann zwar keine Rolle mehr, aber auch hier gab es einen Grundkonsens, nämlich, dass man im Leben nicht einfach warten kann, bis jemand eine Entscheidung für einen trifft, sondern dass man halt selbst entscheiden muss, dass bestimmte Dinge passieren sollen. Man muss sozusagen Gott spielen für das eigene Leben. Und das passt ja auch gewissermaßen in meine Art von Spiritualität, bei der uns allen ein bisschen Göttlichkeit innewohnt.

Mir ist ja bewusst, dass ich jetzt nicht einfach mein Leben anhalten und für immer ein grüner Glibberschleim bleiben kann. Aber vielleicht muss ich erst warten, bis ich durch die Luft ein bisschen antrockne, damit ich wieder formbar bin. Vielleicht schaue ich allen anderen jetzt ein bisschen beim Leben zu und halte mein glibbriges Herz einfach nur am Leben. Und dann kann ich am Ende die vorerst beste Form für mich finden. Denn ich glaube, letztendlich ist mir vor allem wichtig, formbar zu bleiben. Ich möchte mich nicht mehr in eine feste Form hineinpressen oder hineinpressen lassen, nur weil es bequemer ist, unglücklich zu sein oder auf die anderen zu hören.

Wenn ich erstmal Play-Doh bin, dann kann ich mir Füße formen, mit denen ich über den Küchenboden laufe. Dann laufe ich an all den Macken vorbei und lasse mich nicht von ihnen hinunterziehen. Dann gehe ich in die Welt hinaus und werde eine Blume oder ein Straßenschild oder eine Elfe. Ich will mir endlich darüber bewusst sein, dass es egal ist, was ich werde. Das Wichtigste ist, dass ich es werde.

Zutaten für hausgemachten Glibberschleim:

 

  • Speisestärke
  • Lebensmittelfarbe, vorzugsweise grün
  • Wasser
  • Nach Belieben: Rasierschaum, Shampoo, Bastelkleber, Glitzerstaub…

 

Basisrezept:

Speisestärke mit etwas Wasser benetzen und umrühren. Nach Belieben mit Lebensmittelfarbe einfärben. Bei dem Gemisch einfach mit den verschiedenen Möglichkeiten spielen, die die Konsistenz des Schleims bietet. 

Nach Lust und Laune können z. B. Rasierschaum oder Haarshampoo hinzugefügt werden, um den Schleim zu verändern. Kleber und Glitzer sind auch erlaubt 😉 Viel Spaß beim Schsleimen!