Künstlertreff in Frankreich: Mein Leben in Aix-en-Provence

Über Aix, Marseille und das Musée Granet
  • 6 Min. Lesezeit
  • 6. Juni 2024
  • Sonja

Zwischen einer Stadtidylle mit 200 Brunnen und einer multikulturellen Hafenmetropole: Ein Einblick in meine Zeit in Südfrankreich.

In meinem letzten Artikel zum einjährigen Geburtstag meines Blogs habe ich in Erinnerungen an meinen Frankreich-Aufenthalt geschwelgt. Da mich diese Zeit in kreativer Hinsicht sehr geprägt hat, möchte ich hier einen Text teilen, der am 14. Oktober 2018 in Aix-en-Provence entstanden ist. Komm mit nach Marseille und Aix-en-Provence, und folge mir bei meinem Abstecher ins Musée Granet.

Eine provenzalische Idylle: Aix-en-Provence

La rotonde aix-en-provence-künstlertreff

Mein Bild von Aix-en-Provence hat sich inzwischen etwas verändert. Es ist toll, in Aix-en-Provence zu leben, denn es ist eine sichere und ruhige Stadt, in der dennoch total viel los ist. Eine Mischung aus Studenten und älteren, bourgeoisen Leuten eben. C’est beau la petite Bourgeoisie qui boit du Champagne…  eine hübsche Stadt, in der man so viel zu Fuß läuft, dass es einen schon fast nervt. Alle Graffiti werden sofort entfernt (bis auf jene vor der Unibibliothek) und man findet nur an einigen Ecken die Beweise für das dreckige, suff-belastete Studentenleben. Auf dem hübschen Place des Cardeurs beispielsweise leben die idyllischen, teuren Restaurants in direkter Symbiose mit Bars, in denen Techno-Musik von YouTube abgespielt wird und sich die Studenten mit etlichen Gläsern Tetrapack-Wein besaufen, der nur zwei Euro kostet. Abgesehen davon, dass ihnen dieses Zusammenleben keinen gegenseitigen Nutzen bringt.

Eine riesige Baustelle umrandet die Fontaine de la Rotonde, den größten Brunnen der Stadt, und Gosia und ich haben herausgefunden, dass die Renovierungsarbeiten noch immer nicht beendet sein werden, wenn wir in fast einem Jahr diese Stadt verlassen.  Der wiederum schönste Brunnen der Stadt hat seit zwei Wochen kein Wasser mehr, worum sich allerdings kein Arsch kümmert. In einer Doku über Aix-en-Provence habe ich erfahren, dass hier einst diejenigen gelebt haben, die außerhalb der Ehe ihre Liebe ausleben wollten, weshalb etliche der hübsch verzierten Mini-Balkons Phallussymbole enthalten. Hier der Fotobeweis:

Einmal hat ein Mann sich mit seinem ganzen Körper und angezogen in einen der Brunnen gelegt. Und Hunde machen das übrigens auch ganz gerne. Ich kann nur davon abraten, sich in der Pizzeria La Grange eine Pizza zu teilen, da man dann das Doppelte für die Pizza zahlen muss. Da kann man sich lieber gleich eine eigene bestellen. Die Pizza ist aber trotzdem sehr délicieuse.

Ich will Aix-en-Provence damit nicht als weniger schön bezeichnen. All diese „Fehler“ machen die Stadt für mich nur interessanter. Denn was ist eine Stadt ohne Fehler? Außerdem ist es inzwischen wichtig für mich geworden, in meiner Ästhetik auch die Fehler zu beachten. Nichts ist perfekt, oder vollendet. Kein Kunstwerk, kein Text. Makel machen schön. Und aus Fehlern kann man lernen.

Dem gegenüber: Marseille

marseille ausblick auf notre dame de la Garde

Marseille fühlt sich in keinster Weise Französisch an. Vielleicht ein kleines bisschen. Aber ansonsten ist es eine multikulturelle Großstadt, wo am Vieux Port afrikanische Rhythmen auf Trommeln gehämmert werden und Leute aus den unterschiedlichsten Ländern akrobatische Kunststücke durchführen. Marseille ist eine schmutzige Stadt; überall liegt Müll herum, die Graffiti werden an den Mauern gelassen (sonst kämen sie auch gar nicht mit dem Putzen hinterher), auf den Straßen sitzen Obdachlose, es gibt unzählige Ratten und alles zieht vollkommen anders vorüber als in Aix.  Man fühlt sich ganz und gar nicht so sicher dabei, allein durch Marseille zu gehen, doch dafür steckt viel mehr Seele in der Stadt. Sie hat eine Persönlichkeit. Jedes Mal, wenn ich dorthin fahre, entdecke ich eine komplett neue Seite von Marseille, sodass ich kaum in der Lage bin, mir ein festes Bild zu machen.

Aix kommt mir dagegen manchmal, trotz der vielen Menschen, ein wenig leer vor. So als würden alle noch ein bisschen an der Geschichte hängen und dadurch vergessen, sie mit etwas Neuem zu füllen.

Ich war erst wenige Male in Marseille. Aber ich bin mir sicher, dass es nicht viel Zeit dort benötigt, um herauszufinden, was diese Stadt ausmacht oder was ihr Charakter ist. Auf jeden Fall nehme ich mir vor, mal einen ganzen Tag alleine dort zu verbringen, um mir einen noch besseren Eindruck zu verschaffen. Eine Stadt prägt sich dir am besten ein, wenn es niemanden gibt, der dein Bild von ihr beeinflussen kann, sie ist am Durchsichtigsten, wenn du selbst inmitten der Bewegung bist und dich von ihr tragen lässt.

Ich denke, genauso verhält es sich mit einem Gang ins Museum. Die Wirkung der Bilderkomposition an den Wänden ist viel mächtiger, wenn niemand neben dir steht, der sie kommentieren kann.

Und während ich diese Zeilen schreibe, rennt mal wieder in einem irren Tempo dieser Hund an meinem vergitterten Fenster vorbei, der beinahe so groß ist wie ein Pferd. Aber zurück zum Thema.

Künstlertreff im Musée Granet in Aix-en-Provence

künstlertreff-musée granet in aix-en-provence-innenhof

Ich sitze im Musée Granet, das einen Innenhof hat. Der Wind rauscht hier durch die Bäume und erinnert mich, wie immer, an das Meer. Besonders diese eine Skulptur ist mir in Erinnerung geblieben: Ein junges Mädchen in Weiß, dessen Kleid nahezu im Wind wegzuwehen scheint. Schützend senkt sie ihren Blick und hält mit den Händen den Stoff an ihrem Körper. Im Kontrast dazu der weite Himmel, der lediglich hinter dem Fenster schimmert. Sie sieht ein wenig traurig und verängstigt aus und gleichzeitig scheint ihr Blick leer zu sein. Trotz ihrer gekrümmten Körperhaltung ist sie allen anderen Figuren erhaben. Sie, die sich empfindsam schützt, ist so viel zauberhafter als all diese entblößten Männer und Frauen, denen die Besucher so viel mehr Aufmerksamkeit widmen.

künstlertreff-musée granet in aix-en-provence-skulptur

Es geht weiter zu den Gemälden. Dann betrachte ich das Portrait einer alten Dame. Das Schild daneben erzählt mir: « … qui servent elles-mêmes d’écrin au regard magnétique, à ces yeux qui semblent avoir tout vu » … der magnetische Blick und diese Augen, die alles gesehen zu haben scheinen. Wahrscheinlich ist es unbedeutend, doch der weise Blick der Dame hält mich für einige Minuten hier. Da hat jemand mit Pinselstrichen eine Seele kreiert.

Und bei jenen Bildern, die meine Aufmerksamkeit länger auf sich ziehen, frage ich mich: Woran hat wohl der Maler am längsten gemalt? Bei einigen erkennt man sofort, worauf der Fokus lag. Ob es der verzweifelte Blick der Dame ist, die Stimmung des Mondlichts, das sich nur in der Spiegelung des aufschäumenden Wassers wiederholt, oder die dezente Geste einer Figur.

Ich mag diese Art und Weise, wie im Museum alles für sich selbst spricht. Jeder Raum unterliegt einer eigenen Stimmung, die völlig von der Komposition der Bilder und Skulpturen abhängig ist. Dennoch, ein seltsames Konzept: Im Zoo der Gemälde. Das Seltsamste an diesem ganzen Rundgang sind die Menschen dort. Nicht, dass ich es besser gemacht hätte, doch die Mehrheit tat den Gang ins Museum ja doch rein provisorisch. Ich höre eine Mutter zu ihrem Sohn sagen: „Toll, dass die vor 400 Jahren schon so toll malen konnten!“, und denke: Wieso sollten sie es nicht gekonnt haben?

Der Penis einer anderen Skulptur hängt schlaff herunter und ich traue mich nicht, ein Foto davon zu machen, da ich denke, dass das gesellschaftlich vielleicht nicht akzeptiert wird. Also kaufe ich ein paar Postkarten, schreibe eine davon sofort voll und verlasse danach das Museum. Ich kaufe eine Blume für 1,50 und die Verkäuferin packt sie mir ein, als hätte ich eine für 1.500 Euro gekauft. Ich setze mich in ein Café, in dem die Bedienung unfreundlich ist, denn in Frankreich lacht man nicht.

Die Gassen in Aix sind so weit, dass man bis nach ganz hinten gucken kann. Die an den Häusern befestigten Straßenlaternen werden immer kleiner, in einer nicht anhaltenden, schiefen Reihe. Langsam kommt auch hier der Herbst an. Zumindest hier im Café, denn hier habe ich schon beim letzten Mal ein großes, verfärbtes Blatt aufgehoben. Einen Tag lang Regen hat es auch schon gegeben. Mein Cappuccino ist bereits leer, mein Pulli ist genauso gelb wie der Stuhl auf dem ich sitze und mein grauer Schal zittert im Wind. Könnte das Motiv für eine Geschichte werden, mein grauer Schal, überlege ich und denke, dass ich es für heute geschafft habe.

gassen in aix-en-provence-künstlertreff

Künstlertreff in Frankreich

Über Aix, Marseille und das Musée Granet
  • 6. Juni 2024 – 6 Min. Lesezeit

Zwischen einer Stadtidylle mit 200 Brunnen und einer multikulturellen Hafenmetropole: Ein Einblick in meine Zeit in Südfrankreich.

In meinem letzten Artikel zum einjährigen Geburtstag meines Blogs habe ich in Erinnerungen an meinen Frankreich-Aufenthalt geschwelgt. Da mich diese Zeit in kreativer Hinsicht sehr geprägt hat, möchte ich hier einen Text teilen, der am 14. Oktober 2018 in Aix-en-Provence entstanden ist. Komm mit nach Marseille und Aix-en-Provence, und folge mir bei meinem Abstecher ins Musée Granet.

Eine provenzalische Idylle: Aix-en-Provence

La rotonde aix-en-provence-künstlertreff

Mein Bild von Aix-en-Provence hat sich inzwischen etwas verändert. Es ist toll, in Aix-en-Provence zu leben, denn es ist eine sichere und ruhige Stadt, in der dennoch total viel los ist. Eine Mischung aus Studenten und älteren, bourgeoisen Leuten eben. C’est beau la petite Bourgeoisie qui boit du Champagne…  eine hübsche Stadt, in der man so viel zu Fuß läuft, dass es einen schon fast nervt. Alle Graffiti werden sofort entfernt (bis auf jene vor der Unibibliothek) und man findet nur an einigen Ecken die Beweise für das dreckige, suff-belastete Studentenleben. Auf dem hübschen Place des Cardeurs beispielsweise leben die idyllischen, teuren Restaurants in direkter Symbiose mit Bars, in denen Techno-Musik von YouTube abgespielt wird und sich die Studenten mit etlichen Gläsern Tetrapack-Wein besaufen, der nur zwei Euro kostet. Abgesehen davon, dass ihnen dieses Zusammenleben keinen gegenseitigen Nutzen bringt.

Eine riesige Baustelle umrandet die Fontaine de la Rotonde, den größten Brunnen der Stadt, und Gosia und ich haben herausgefunden, dass die Renovierungsarbeiten noch immer nicht beendet sein werden, wenn wir in fast einem Jahr diese Stadt verlassen.  Der wiederum schönste Brunnen der Stadt hat seit zwei Wochen kein Wasser mehr, worum sich allerdings kein Arsch kümmert. In einer Doku über Aix-en-Provence habe ich erfahren, dass hier einst diejenigen gelebt haben, die außerhalb der Ehe ihre Liebe ausleben wollten, weshalb etliche der hübsch verzierten Mini-Balkons Phallussymbole enthalten. Hier der Fotobeweis:

Einmal hat ein Mann sich mit seinem ganzen Körper und angezogen in einen der Brunnen gelegt. Und Hunde machen das übrigens auch ganz gerne. Ich kann nur davon abraten, sich in der Pizzeria La Grange eine Pizza zu teilen, da man dann das Doppelte für die Pizza zahlen muss. Da kann man sich lieber gleich eine eigene bestellen. Die Pizza ist aber trotzdem sehr délicieuse.

Ich will Aix-en-Provence damit nicht als weniger schön bezeichnen. All diese „Fehler“ machen die Stadt für mich nur interessanter. Denn was ist eine Stadt ohne Fehler? Außerdem ist es inzwischen wichtig für mich geworden, in meiner Ästhetik auch die Fehler zu beachten. Nichts ist perfekt, oder vollendet. Kein Kunstwerk, kein Text. Makel machen schön. Und aus Fehlern kann man lernen.

Dem gegenüber: Marseille

marseille ausblick auf notre dame de la Garde

Marseille fühlt sich in keinster Weise Französisch an. Vielleicht ein kleines bisschen. Aber ansonsten ist es eine multikulturelle Großstadt, wo am Vieux Port afrikanische Rhythmen auf Trommeln gehämmert werden und Leute aus den unterschiedlichsten Ländern akrobatische Kunststücke durchführen. Marseille ist eine schmutzige Stadt; überall liegt Müll herum, die Graffiti werden an den Mauern gelassen (sonst kämen sie auch gar nicht mit dem Putzen hinterher), auf den Straßen sitzen Obdachlose, es gibt unzählige Ratten und alles zieht vollkommen anders vorüber als in Aix.  Man fühlt sich ganz und gar nicht so sicher dabei, allein durch Marseille zu gehen, doch dafür steckt viel mehr Seele in der Stadt. Sie hat eine Persönlichkeit. Jedes Mal, wenn ich dorthin fahre, entdecke ich eine komplett neue Seite von Marseille, sodass ich kaum in der Lage bin, mir ein festes Bild zu machen.

Aix kommt mir dagegen manchmal, trotz der vielen Menschen, ein wenig leer vor. So als würden alle noch ein bisschen an der Geschichte hängen und dadurch vergessen, sie mit etwas Neuem zu füllen.

Ich war erst wenige Male in Marseille. Aber ich bin mir sicher, dass es nicht viel Zeit dort benötigt, um herauszufinden, was diese Stadt ausmacht oder was ihr Charakter ist. Auf jeden Fall nehme ich mir vor, mal einen ganzen Tag alleine dort zu verbringen, um mir einen noch besseren Eindruck zu verschaffen. Eine Stadt prägt sich dir am besten ein, wenn es niemanden gibt, der dein Bild von ihr beeinflussen kann, sie ist am Durchsichtigsten, wenn du selbst inmitten der Bewegung bist und dich von ihr tragen lässt.

Ich denke, genauso verhält es sich mit einem Gang ins Museum. Die Wirkung der Bilderkomposition an den Wänden ist viel mächtiger, wenn niemand neben dir steht, der sie kommentieren kann.

Und während ich diese Zeilen schreibe, rennt mal wieder in einem irren Tempo dieser Hund an meinem vergitterten Fenster vorbei, der beinahe so groß ist wie ein Pferd. Aber zurück zum Thema.

Künstlertreff im Musée Granet in Aix-en-Provence

künstlertreff-musée granet in aix-en-provence-innenhof

Ich sitze im Musée Granet, das einen Innenhof hat. Der Wind rauscht hier durch die Bäume und erinnert mich, wie immer, an das Meer. Besonders diese eine Skulptur ist mir in Erinnerung geblieben: Ein junges Mädchen in Weiß, dessen Kleid nahezu im Wind wegzuwehen scheint. Schützend senkt sie ihren Blick und hält mit den Händen den Stoff an ihrem Körper. Im Kontrast dazu der weite Himmel, der lediglich hinter dem Fenster schimmert. Sie sieht ein wenig traurig und verängstigt aus und gleichzeitig scheint ihr Blick leer zu sein. Trotz ihrer gekrümmten Körperhaltung ist sie allen anderen Figuren erhaben. Sie, die sich empfindsam schützt, ist so viel zauberhafter als all diese entblößten Männer und Frauen, denen die Besucher so viel mehr Aufmerksamkeit widmen.

künstlertreff-musée granet in aix-en-provence-skulptur

Es geht weiter zu den Gemälden. Dann betrachte ich das Portrait einer alten Dame. Das Schild daneben erzählt mir: « … qui servent elles-mêmes d’écrin au regard magnétique, à ces yeux qui semblent avoir tout vu » … der magnetische Blick und diese Augen, die alles gesehen zu haben scheinen. Wahrscheinlich ist es unbedeutend, doch der weise Blick der Dame hält mich für einige Minuten hier. Da hat jemand mit Pinselstrichen eine Seele kreiert.

Und bei jenen Bildern, die meine Aufmerksamkeit länger auf sich ziehen, frage ich mich: Woran hat wohl der Maler am längsten gemalt? Bei einigen erkennt man sofort, worauf der Fokus lag. Ob es der verzweifelte Blick der Dame ist, die Stimmung des Mondlichts, das sich nur in der Spiegelung des aufschäumenden Wassers wiederholt, oder die dezente Geste einer Figur.

Ich mag diese Art und Weise, wie im Museum alles für sich selbst spricht. Jeder Raum unterliegt einer eigenen Stimmung, die völlig von der Komposition der Bilder und Skulpturen abhängig ist. Dennoch, ein seltsames Konzept: Im Zoo der Gemälde. Das Seltsamste an diesem ganzen Rundgang sind die Menschen dort. Nicht, dass ich es besser gemacht hätte, doch die Mehrheit tat den Gang ins Museum ja doch rein provisorisch. Ich höre eine Mutter zu ihrem Sohn sagen: „Toll, dass die vor 400 Jahren schon so toll malen konnten!“, und denke: Wieso sollten sie es nicht gekonnt haben?

Der Penis einer anderen Skulptur hängt schlaff herunter und ich traue mich nicht, ein Foto davon zu machen, da ich denke, dass das gesellschaftlich vielleicht nicht akzeptiert wird. Also kaufe ich ein paar Postkarten, schreibe eine davon sofort voll und verlasse danach das Museum. Ich kaufe eine Blume für 1,50 und die Verkäuferin packt sie mir ein, als hätte ich eine für 1.500 Euro gekauft. Ich setze mich in ein Café, in dem die Bedienung unfreundlich ist, denn in Frankreich lacht man nicht.

Die Gassen in Aix sind so weit, dass man bis nach ganz hinten gucken kann. Die an den Häusern befestigten Straßenlaternen werden immer kleiner, in einer nicht anhaltenden, schiefen Reihe. Langsam kommt auch hier der Herbst an. Zumindest hier im Café, denn hier habe ich schon beim letzten Mal ein großes, verfärbtes Blatt aufgehoben. Einen Tag lang Regen hat es auch schon gegeben. Mein Cappuccino ist bereits leer, mein Pulli ist genauso gelb wie der Stuhl auf dem ich sitze und mein grauer Schal zittert im Wind. Könnte das Motiv für eine Geschichte werden, mein grauer Schal, überlege ich und denke, dass ich es für heute geschafft habe.

gassen in aix-en-provence-künstlertreff