Inspirierende Gespräche und kreative Arbeitsorte: Bericht über die Kunstspur in Essen 2024
Porzellangestaltung, Analogfotografie und Ölmalerei: Einmal im Jahr öffnen Essener Ateliers im Rahmen der Kunstspur ihre Türen und geben Einblick in ihre Arbeitsorte. Erfahre mehr über meine Begegnungen mit den Künstlern.
Schon im letzten Jahr wollte ich mir im Rahmen der Kunstspur unbedingt all die schönen Ateliers in Essen ansehen. An so manchen dieser kreativen Orte bin ich unzählige Male vorbeigelaufen und konnte höchstens einen kurzen Blick durch das Schaufenster erhaschen. Doch dieses Jahr sehe ich mir am ersten Wochenende der Kunstspur vom 21. bis zum 22.09.2024 endlich einige Ateliers im Essener Süden an. Diesmal bin ich jedoch nicht allein unterwegs, sondern erkunde zusammen mit meinem Freund die Umgebung und berichte dir von unseren Erlebnissen in drei ganz verschiedenen Ateliers in Essen.
Als ich mir vor dem Spaziergang die Übersichtskarte der Stadt Essen anschaue, auf der alle teilnehmenden Ateliers abgebildet sind, bin ich erstaunt, wie sehr sich die Kunst in der ganzen Stadt verteilt – insgesamt sind es 320 Künstlerinnen und Künstler, die ihre 146 Türen für die Besucher öffnen. Das ist ganz schön viel Kunst und Kreativität, die uns sonst meist verborgen bleibt. Selbst in meiner unmittelbaren Nachbarschaft versteckt sich das ein oder andere Atelier, an dem ich noch nie zuvor vorbeigekommen bin. Dementsprechend müssen wir nicht weit laufen, um auf die ersten offenen Türen zu stoßen.
Das Atelier Akut liegt auf dem Teil der Gemarkenstraße, der parallel zur Kahrstraße verläuft. Es ist das erste Atelier, das uns auf unserer kleinen Tour begegnet. Daher wissen wir noch nicht, was uns hier eigentlich erwartet. Vor dem Schaufenster steht eine kleine Bank, auf der jemand sitzt und raucht und uns freundlich begrüßt. Also gehen wir hinein und betreten einen kleinen, aber schönen Raum, in dem es auf den ersten Blick gar nicht so viel zu sehen gibt.
Wir stehen in einem White Cube, der einerseits minimalistisch-sortiert, andererseits auch künstlerisch-chaotisch wirkt. An der linken Wand ist eine Art spiritistischer Altar aufgebaut, und rechts in der Ecke weisen drei Holzstufen zu einer Tür, bei der ich mich frage, wo sie hinführt. An den anderen freien Wänden hängen einige gerahmte Fotografien, und auf zwei kleinen Tischen können wir uns einige Arbeiten und Prints der Künstler ansehen.
Für den chaotischen Ausgleich sorgt ein eingebautes Holzregal gegenüber vom Eingang, in dem jede Menge Bücher, Prospekte und anderer Kram stehen, und unten auf dem Boden hat man behelfsmäßig eine Kaffeemaschine abgestellt, die gerade dieses schöne kratzende Durchlauf-Geräusch von sich gibt. Der ganze Raum ist erfüllt von einem wunderbaren Kaffeeduft. Er ist es auch, der schließlich das Eis bricht, sodass wir mit den Künstlern ins Gespräch kommen.
Uns gegenüber stehen Sophia Weber und Philipp Harms, die aktuell Fotografie im Master studieren und in der Coronazeit dieses kleine Atelier gegründet haben, um hier an ihren fotografischen Projekten zu arbeiten. Beide bewegen sich überwiegend im Bereich der analogen Fotografie und haben im Atelier Akut das erste gemeinsame Projekt archiv akut entwickelt. Dort kombinierten sie archiviertes Fotomaterial zu neuen Paaren, die mithilfe eines KI-Textgenerators eine Art poetische Bildbeschreibung erhielten, sodass ein möglicher Zusammenhang zwischen zwei Bildern entsteht.
Offen und mit einem sympathischen Leuchten in den Augen erzählen uns die beiden auch von ihren individuellen Arbeiten. Es ist schön, den Künstlern zuzuhören und dabei im wahrsten Sinne neue Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Auch die Prints und die Mini-Ausstellung gefallen mir und regen zum Nachdenken an. Somit war schon unsere erste Station auf der Kunstspur ein inspirierendes Erlebnis.
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Jetzt gehen wir allerdings weiter in Richtung Rüttenscheid und kommen an ein paar anderen Ateliers vorbei. Außerdem gönnen wir uns einen veganen Frozen Joghurt und einen Kaffee, bis wir uns auf den Rückweg machen und im nächsten Atelier auf der Friederikenstraße 19 landen.
Das Studio F19 wirkt ganz anders als die letzten Ateliers, die meist durch ein Schaufenster von außen gut erkennbar waren. Durch den Hausflur gelangen wir ins Innere eines Raumes, der weniger wie ein Arbeitsort wirkt, sondern mehr wie eine kleine Galerie. Während uns gegenüber zwei Männer an ihren Schreibtischen sitzen und arbeiten, geht es rechts in einen zweigeteilten Raum hinein, in dem mehrere Ölgemälde ausgestellt sind. Harald Korff heißt uns herzlich willkommen und bietet uns an, die Bilder der Künstlerin Cynthia Eisenberg zunächst auf uns wirken zu lassen, bevor er uns mehr darüber erzählt. Da die Künstlerin selbst aus Argentinien kommt, ist sie leider nicht vor Ort.
Wir nehmen das Angebot gern an und betrachten in Ruhe die Bilder. Auf den ersten Blick sind es vor allem Alltagsmomente, die Eisenberg mit Ölfarbe auf der Leinwand festhält und die uns besonders gut gefallen. So ist zum Beispiel eine Szene im Bus zu sehen, bei der die Künstlerin die Emotionen eines jeden Fahrgasts ausdrucksstark darstellt.
Spannend sind auch jene Bilder, bei denen die Künstlerin die Ölfarbe direkt auf Baumwollstoffe aufträgt, die normalerweise zu Geschirrtüchern oder Tischdecken weiterverarbeitet werden. Dabei integriert sie die Muster der jeweiligen Stoffe direkt in das Bildmotiv, wenn etwa das rot-weiß-karierte Tuch zur Banderole eines Streiks gegen die argentinische Diktatur wird oder das florale Muster zur Tapete eines Zimmers.
Nach einer Weile gesellt sich Harald Korff wieder zu uns und erzählt uns zusammen mit Peter Keup mehr über den politischen Hintergrund der Arbeiten von Cynthia Eisenberg. In einem aktuellen Projekt porträtiert die Künstlerin Frauen, die den systematischen Völkermord während der letzten zivil-militärischen Diktatur in Argentinien überlebten. Zwischen 1976 und 1983 wurden dort unzählige junge Männer und Frauen durch staatliche Maßnahmen gefangen genommen und auf so genannten Todesflügen gewaltsam ermordet.
Die überlebenden Frauen, deren Geschichten Eisenberg im Projekt auf künstlerische Weise erzählt, erlitten während ihrer Gefangenschaft schwere Folter und sexuelle Gewalt, die ihr Leben bis heute prägen. Auf ihren Porträts bildet Cynthia Eisenberg die Frauen in der Kleidung ab, die sie zum Zeitpunkt ihrer Entführung trugen, und holt somit die Lebensgeschichten der Frauen zurück ins Bewusstsein.
~~~
Nachdem wir uns alles angesehen haben, verabschieden wir uns und laufen weiter die Friederikenstraße entlang. In Gedanken sind wir noch immer bei den berührenden Geschichten, die sich hinter den Ölgemälden im Atelier F19 verbergen. Doch noch bevor wir all die neuen Eindrücke und Informationen verarbeitet haben, landen wir schon in einer ganz anderen Welt. Nur wenige Meter weiter treten wir durch eine offene Tür und dürfen das Atelier von Anna Härtelt und Katharina Impekoven kennenlernen, die ihr eigenes Porzellan sowie Keramik herstellen.
Dieses Atelier ist leichter zu erkennen – es gibt ein offenes Schaufenster, und vorne stehen Regale mit verschiedenen Porzellan- und Keramikwaren. Glänzende Schälchen, interessante Vasen und andere hübsche Gefäße warten darauf, entdeckt zu werden. Wieder werden wir herzlich empfangen und dürfen uns neugierig umsehen. Gleich darauf bietet uns Katharina Impekoven an, uns eine kleine Führung durch die Werkstatt zu geben.
So folgen wir ihr tiefer in das lange Atelier hinein bis zu einem Fenster, das zu einer kleinen Terrasse führt. Dort geht es dann rechts durch eine Tür in die Werkstatt. Es handelt sich um einen großen, rechteckigen Raum, der sofort Lust macht, mit der kreativen Arbeit zu beginnen: In einem Regal auf der gegenüberliegenden Seite ist allerhand Arbeitsmaterial aufgestapelt, von Gipsformen über Porzellanmasse bis hin zu Glasuren aller Art. Hier und da sieht man ein paar unfertige Gefäße, und vorne rechts steht der Brennofen – wohl das Herzstück des Ateliers. Tatsächlich habe ich nie zuvor einen Brennofen gesehen, höchstens mal in einem YouTube-Video. Umso schöner, mal einen echten Blick hinter die Kulissen werfen zu können.
Katharina Impekoven versorgt uns außerdem mit jede Menge Informationen rund um die Herstellung von Porzellan. Sie zeigt uns ihre Gipsformen und erklärt, wie die (noch gräulich-erdige) Porzellanmasse hineingegossen wird und sich daraufhin am Rand ablagert. Wenig später wird die überschüssige Masse wieder abgegossen und der Porzellanbecher hat Zeit zum Trocknen. Sobald der Rohling aus seiner Gipsform befreit wird, ist die gräuliche Masse schon deutlich heller geworden.
Besonders spannend ist, dass Katharina immer wieder auch mit verschiedenen Farben und Texturen experimentiert, um ganz besondere Porzellanbecher und -vasen herzustellen. Ihr Hintergrund als ausgebildete Produktdesignerin hilft ihr dabei, neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen, indem sie zuvor kleine Tests macht und neue Techniken ausprobiert. Mir wird klar, dass man auch mit Porzellan wunderbar kreativ werden kann.
Einige der Schälchen sind so besonders, dass ich selbst noch nichts Ähnliches gesehen habe. Es ist super schön, Katharina Impekoven dabei zuzuhören, mit wie viel Freude sie über ihre Arbeit spricht. Mein Freund und ich haben viel Neues über Porzellan gelernt und fanden es umso schöner, den Entstehungsort von etwas zu erkunden, das man sonst nur fertig glänzend im Regal stehen sieht.
Wer sich für Porzellangießen und Töpfern interessiert, der kann im Atelier von Katharina Impekoven und Anna Härtelt auch bei verschiedenen Workshops mitmachen. Die nächsten Termine stehen bereits fest – doch wie es aussieht, sind sie heiß begehrt. Mehr Infos findest du hier bei Stuttfeld Design und Tonschicht.
Insgesamt hat mir die Kunstspur richtig gut gefallen und mich sogar von einem eigenen kleinen Atelier träumen lassen. Es ist einfach schön, einen Ort zu haben, an dem man sich ausschließlich seiner Kreativität widmen kann. Das hat man auch den Künstlerinnen und Künstlern angemerkt: Alle haben uns herzlich empfangen und mit Leidenschaft sowohl von ihren kreativen Projekten erzählt, als auch von den Orten, an denen sie entstehen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich bei der Kunstspur in Essen so viele schöne Gespräche führen würde.
Auch wenn ich mit meinem Artikel etwas spät dran bin: Wer heute noch Zeit hat, der kann den freien Sonntag dazu nutzen, die Ateliers im Essener Norden zu erkunden. Ansonsten komm doch einfach zur Kunstspur im nächsten Jahr!
Inspirierende Gespräche und kreative Arbeitsorte: Bericht über die Kunstspur in Essen
Porzellangestaltung, Analogfotografie und Ölmalerei: Einmal im Jahr öffnen Essener Ateliers im Rahmen der Kunstspur ihre Türen und geben Einblick in ihre Arbeitsorte. Erfahre mehr über meine Begegnungen mit den Künstlern.
Schon im letzten Jahr wollte ich mir im Rahmen der Kunstspur unbedingt all die schönen Ateliers in Essen ansehen. An so manchen dieser kreativen Orte bin ich unzählige Male vorbeigelaufen und konnte höchstens einen kurzen Blick durch das Schaufenster erhaschen. Doch dieses Jahr sehe ich mir am ersten Wochenende der Kunstspur vom 21. bis zum 22.09.2024 endlich einige Ateliers im Essener Süden an. Diesmal bin ich jedoch nicht allein unterwegs, sondern erkunde zusammen mit meinem Freund die Umgebung und berichte dir von unseren Erlebnissen in drei ganz verschiedenen Ateliers in Essen.
Als ich mir vor dem Spaziergang die Übersichtskarte der Stadt Essen anschaue, auf der alle teilnehmenden Ateliers abgebildet sind, bin ich erstaunt, wie sehr sich die Kunst in der ganzen Stadt verteilt – insgesamt sind es 320 Künstlerinnen und Künstler, die ihre 146 Türen für die Besucher öffnen. Das ist ganz schön viel Kunst und Kreativität, die uns sonst meist verborgen bleibt. Selbst in meiner unmittelbaren Nachbarschaft versteckt sich das ein oder andere Atelier, an dem ich noch nie zuvor vorbeigekommen bin. Dementsprechend müssen wir nicht weit laufen, um auf die ersten offenen Türen zu stoßen.
Das Atelier Akut liegt auf dem Teil der Gemarkenstraße, der parallel zur Kahrstraße verläuft. Es ist das erste Atelier, das uns auf unserer kleinen Tour begegnet. Daher wissen wir noch nicht, was uns hier eigentlich erwartet. Vor dem Schaufenster steht eine kleine Bank, auf der jemand sitzt und raucht und uns freundlich begrüßt. Also gehen wir hinein und betreten einen kleinen, aber schönen Raum, in dem es auf den ersten Blick gar nicht so viel zu sehen gibt.
Wir stehen in einem White Cube, der einerseits minimalistisch-sortiert, andererseits auch künstlerisch-chaotisch wirkt. An der linken Wand ist eine Art spiritistischer Altar aufgebaut, und rechts in der Ecke weisen drei Holzstufen zu einer Tür, bei der ich mich frage, wo sie hinführt. An den anderen freien Wänden hängen einige gerahmte Fotografien, und auf zwei kleinen Tischen können wir uns einige Arbeiten und Prints der Künstler ansehen.
Für den chaotischen Ausgleich sorgt ein eingebautes Holzregal gegenüber vom Eingang, in dem jede Menge Bücher, Prospekte und anderer Kram stehen, und unten auf dem Boden hat man behelfsmäßig eine Kaffeemaschine abgestellt, die gerade dieses schöne kratzende Durchlauf-Geräusch von sich gibt. Der ganze Raum ist erfüllt von einem wunderbaren Kaffeeduft. Er ist es auch, der schließlich das Eis bricht, sodass wir mit den Künstlern ins Gespräch kommen.
Uns gegenüber stehen Sophia Weber und Philipp Harms, die aktuell Fotografie im Master studieren und in der Coronazeit dieses kleine Atelier gegründet haben, um hier an ihren fotografischen Projekten zu arbeiten. Beide bewegen sich überwiegend im Bereich der analogen Fotografie und haben im Atelier Akut das erste gemeinsame Projekt archiv akut entwickelt. Dort kombinierten sie archiviertes Fotomaterial zu neuen Paaren, die mithilfe eines KI-Textgenerators eine Art poetische Bildbeschreibung erhielten, sodass ein möglicher Zusammenhang zwischen zwei Bildern entsteht.
Offen und mit einem sympathischen Leuchten in den Augen erzählen uns die beiden auch von ihren individuellen Arbeiten. Es ist schön, den Künstlern zuzuhören und dabei im wahrsten Sinne neue Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Auch die Prints und die Mini-Ausstellung gefallen mir und regen zum Nachdenken an. Somit war schon unsere erste Station auf der Kunstspur ein inspirierendes Erlebnis.
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Jetzt gehen wir allerdings weiter in Richtung Rüttenscheid und kommen an ein paar anderen Ateliers vorbei. Außerdem gönnen wir uns einen veganen Frozen Joghurt und einen Kaffee, bis wir uns auf den Rückweg machen und im nächsten Atelier auf der Friederikenstraße 19 landen.
Das Studio F19 wirkt ganz anders als die letzten Ateliers, die meist durch ein Schaufenster von außen gut erkennbar waren. Durch den Hausflur gelangen wir ins Innere eines Raumes, der weniger wie ein Arbeitsort wirkt, sondern mehr wie eine kleine Galerie. Während uns gegenüber zwei Männer an ihren Schreibtischen sitzen und arbeiten, geht es rechts in einen zweigeteilten Raum hinein, in dem mehrere Ölgemälde ausgestellt sind. Harald Korff heißt uns herzlich willkommen und bietet uns an, die Bilder der Künstlerin Cynthia Eisenberg zunächst auf uns wirken zu lassen, bevor er uns mehr darüber erzählt. Da die Künstlerin selbst aus Argentinien kommt, ist sie leider nicht vor Ort.
Wir nehmen das Angebot gern an und betrachten in Ruhe die Bilder. Auf den ersten Blick sind es vor allem Alltagsmomente, die Eisenberg mit Ölfarbe auf der Leinwand festhält und die uns besonders gut gefallen. So ist zum Beispiel eine Szene im Bus zu sehen, bei der die Künstlerin die Emotionen eines jeden Fahrgasts ausdrucksstark darstellt.
Spannend sind auch jene Bilder, bei denen die Künstlerin die Ölfarbe direkt auf Baumwollstoffe aufträgt, die normalerweise zu Geschirrtüchern oder Tischdecken weiterverarbeitet werden. Dabei integriert sie die Muster der jeweiligen Stoffe direkt in das Bildmotiv, wenn etwa das rot-weiß-karierte Tuch zur Banderole eines Streiks gegen die argentinische Diktatur wird oder das florale Muster zur Tapete eines Zimmers.
Nach einer Weile gesellt sich Harald Korff wieder zu uns und erzählt uns zusammen mit Peter Keup mehr über den politischen Hintergrund der Arbeiten von Cynthia Eisenberg. In einem aktuellen Projekt porträtiert die Künstlerin Frauen, die den systematischen Völkermord während der letzten zivil-militärischen Diktatur in Argentinien überlebten. Zwischen 1976 und 1983 wurden dort unzählige junge Männer und Frauen durch staatliche Maßnahmen gefangen genommen und auf so genannten Todesflügen gewaltsam ermordet.
Die überlebenden Frauen, deren Geschichten Eisenberg im Projekt auf künstlerische Weise erzählt, erlitten während ihrer Gefangenschaft schwere Folter und sexuelle Gewalt, die ihr Leben bis heute prägen. Auf ihren Porträts bildet Cynthia Eisenberg die Frauen in der Kleidung ab, die sie zum Zeitpunkt ihrer Entführung trugen, und holt somit die Lebensgeschichten der Frauen zurück ins Bewusstsein.
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Nachdem wir uns alles angesehen haben, verabschieden wir uns und laufen weiter die Friederikenstraße entlang. In Gedanken sind wir noch immer bei den berührenden Geschichten, die sich hinter den Ölgemälden im Atelier F19 verbergen. Doch noch bevor wir all die neuen Eindrücke und Informationen verarbeitet haben, landen wir schon in einer ganz anderen Welt. Nur wenige Meter weiter treten wir durch eine offene Tür und dürfen das Atelier von Anna Härtelt und Katharina Impekoven kennenlernen, die ihr eigenes Porzellan sowie Keramik herstellen.
Dieses Atelier ist leichter zu erkennen – es gibt ein offenes Schaufenster, und vorne stehen Regale mit verschiedenen Porzellan- und Keramikwaren. Glänzende Schälchen, interessante Vasen und andere hübsche Gefäße warten darauf, entdeckt zu werden. Wieder werden wir herzlich empfangen und dürfen uns neugierig umsehen. Gleich darauf bietet uns Katharina Impekoven an, uns eine kleine Führung durch die Werkstatt zu geben.
So folgen wir ihr tiefer in das lange Atelier hinein bis zu einem Fenster, das zu einer kleinen Terrasse führt. Dort geht es dann rechts durch eine Tür in die Werkstatt. Es handelt sich um einen großen, rechteckigen Raum, der sofort Lust macht, mit der kreativen Arbeit zu beginnen: In einem Regal auf der gegenüberliegenden Seite ist allerhand Arbeitsmaterial aufgestapelt, von Gipsformen über Porzellanmasse bis hin zu Glasuren aller Art. Hier und da sieht man ein paar unfertige Gefäße, und vorne rechts steht der Brennofen – wohl das Herzstück des Ateliers. Tatsächlich habe ich nie zuvor einen Brennofen gesehen, höchstens mal in einem YouTube-Video. Umso schöner, mal einen echten Blick hinter die Kulissen werfen zu können.
Katharina Impekoven versorgt uns außerdem mit jede Menge Informationen rund um die Herstellung von Porzellan. Sie zeigt uns ihre Gipsformen und erklärt, wie die (noch gräulich-erdige) Porzellanmasse hineingegossen wird und sich daraufhin am Rand ablagert. Wenig später wird die überschüssige Masse wieder abgegossen und der Porzellanbecher hat Zeit zum Trocknen. Sobald der Rohling aus seiner Gipsform befreit wird, ist die gräuliche Masse schon deutlich heller geworden.
Besonders spannend ist, dass Katharina immer wieder auch mit verschiedenen Farben und Texturen experimentiert, um ganz besondere Porzellanbecher und -vasen herzustellen. Ihr Hintergrund als ausgebildete Produktdesignerin hilft ihr dabei, neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen, indem sie zuvor kleine Tests macht und neue Techniken ausprobiert. Mir wird klar, dass man auch mit Porzellan wunderbar kreativ werden kann.
Einige der Schälchen sind so besonders, dass ich selbst noch nichts Ähnliches gesehen habe. Es ist super schön, Katharina Impekoven dabei zuzuhören, mit wie viel Freude sie über ihre Arbeit spricht. Mein Freund und ich haben viel Neues über Porzellan gelernt und fanden es umso schöner, den Entstehungsort von etwas zu erkunden, das man sonst nur fertig glänzend im Regal stehen sieht.
Wer sich für Porzellangießen und Töpfern interessiert, der kann im Atelier von Katharina Impekoven und Anna Härtelt auch bei verschiedenen Workshops mitmachen. Die nächsten Termine stehen bereits fest – doch wie es aussieht, sind sie heiß begehrt. Mehr Infos findest du hier bei Stuttfeld Design und Tonschicht.
Fazit der Kunstspur 2024 in Essen: Ein inspirierendes Erlebnis voller Kreativität
Insgesamt hat mir die Kunstspur richtig gut gefallen und mich sogar von einem eigenen kleinen Atelier träumen lassen. Es ist einfach schön, einen Ort zu haben, an dem man sich ausschließlich seiner Kreativität widmen kann. Das hat man auch den Künstlerinnen und Künstlern angemerkt: Alle haben uns herzlich empfangen und mit Leidenschaft sowohl von ihren kreativen Projekten erzählt, als auch von den Orten, an denen sie entstehen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich bei der Kunstspur in Essen so viele schöne Gespräche führen würde.
Auch wenn ich mit meinem Artikel etwas spät dran bin: Wer heute noch Zeit hat, der kann den freien Sonntag dazu nutzen, die Ateliers im Essener Norden zu erkunden. Ansonsten komm doch einfach zur Kunstspur im nächsten Jahr!